personalmanager, Zeitschrift für Human Resources   
Juli 2004, S. 48-49

Erfolgreiches Management von Instabilität,
Peter Kruse

"The world is moving at 105.441 km/h. Keep up!", CNN
 
Mit seinem Buch "Erfolgreiches Management" von Instabilität" lenkt Peter Kruse die Aufmerksamkeit seiner Leser auf das Thema Veränderung. Der Honorarprofessor für Allgemeine und Organisationspsychologie an der Uni-versität Bremen und geschäftsführender Gesellschafter des Beratungsunternehmens nextpractice beginnt seine Reise durch die Welt der Vernetzung unseres Planeten mit dem oben angeführten Zitat des amerikanischen Nachrich-tensenders CNN.
 
Durch die wirtschaftliche und technische Vernetzung nimmt die Komplexität und Dynamik des gesamten Lebens immer rasanter zu. Die Notwendigkeit für Unternehmen, sich auf grundlegende Veränderungen einzulassen, lässt sich nicht mehr umgehen. Die Unternehmenskultur gehört laut Kruse zu den „härtesten Erfolgfaktoren" in diesem Verän-derungsprozess.
 
In diesem Zusammenhang verweist der Autor auf die Gehirnforschung. Sie liefert wichtige Erkenntnisse über die Funktion des Gehirns und die Reaktion des Menschen auf Veränderungsprozesse. Wo immer Menschen unter Veränderungsdruck geraten, versuchen sie erst einmal, ihre bislang erfolgreichen Verhaltensweisen beizubehalten. Beispiele aus dem Leistungssport, etwa aus dem Hochsprung (der Wechsel vom „Straddle" zum „Fosbury-Flop" Ende der 60er Jahre) oder dem Schispringen (Wechsel zum V-Stil in den 90ern) sollen den Ablauf von Prozessmusterwechseln illustrieren.
 
Um Veränderungsprozesse zu beschreiben, zieht Kruse die Theorie der dynamischen Systeme, besser bekannt unter dem Begriff der Chaos- und Selbstorganisationstheorie, heran. Der erfolgreiche Umgang mit Veränderungen erfordert laut Kruse die Fähigkeit, eine gezielte strategische Balance zwischen Stabilität und Instabilität herzustellen. Für beide Zustände empfiehlt er unterschiedliche Handlungs-strategien. Er empfiehlt Unternehmen, vorkehrend Phasen der Instabilität zu schaffen, um zukünftigen besser gewachsen zu sein. Entscheidend neben der Unter-nehmenskultur sei die Vision als emotionale Basis.
 
Der Aufbruch zu unbekannten Kontinenten braucht Überzeugungstäter. Deshalb spielen Führungskräfte als Kulturträger im Unternehmen eine entscheidende Rolle für den Erfolg von Veränderungen. Kruse unterscheidet verschiedene Managertypen und gibt ihnen individuelle Empfehlungen für das Verhalten im Change-Management-Prozess. Er beschreibt ausführlich ein Praxisbeispiel für gelenkte Veränderungsprozesse und liefert einen „Check-up" zur Erfolgssicherung.
 
Nach den interessanten Ausführungen des ersten Teils, die das Thema Change Management umfassend beschreiben, erwartet der Leser im zweiten Teil praktische Mana-gementwerkzeuge für den Wandel. Der Autor präsentiert hier leider nur die von Kruses Beratungsunternehmen nextpractice entwickelten softwaregestützten Werkzeuge, ein computergestütztes Interviewverfahren und eine Online- Moderationssoftware. Die Qualität der Werkzeuge und des Beratungsunternehmens wird von zahlreichen namhaften Referenzen gestützt, erinnert aber im Rahmen dieser Arbeit eher an einen Verkaufsfolder als an eine wissenschaftliche Arbeit.
 
Kruse will diejenigen unterstützen, die Verän-derungsprozesse professionell gestalten und begleiten. Insgesamt betrachtet beschreibt das Buch das Thema Change Management aus einer ungewöhnlichen Perspektive. Es ist sicher inspirierend, wenn man sich gerade vor oder in einem solchen Prozess befindet. Aus meiner Sicht kein revolutionäres Werk, aber durchaus zu empfehlen.
 

 



 

Peter Kruse - in Managerkreisen bekannt als Wirtschafts-psychologe und Autor zahlreicher Theorien über die Wirtschaftsvernetzung - hat mit „Erfolgreiches Management von Instabilität" ein gutes Buch über die Zukunft unserer Unternehmen geschrieben.
 
Vorab kurz zusammengefasst: Der erste Teil analysiert die Zusammenhänge und die Notwendigkeit für die Verän-derung in den Unternehmen aufgrund der zunehmenden Vernetzung unserer Gesellschaft. Der zweite Teil beschreibt anhand von Praxisbeispielen die Software-Tools, mit deren Hilfe Veränderungsprozesse gesteuert werden können.
 
Kruse beschreibt zunächst, warum die globale Vernetzung eine strategische Herausforderung darstellt. Er wählt sehr authentische Praxisbeispiele aus Sport (die Entwicklung der Hochsprungtechnik), Film (Schlöndorffs Blechtrommel) und Geschichte (Entdeckung Amerikas durch Kolumbus). Diese vergleicht er mit der Vernetzung und Organisation von Unternehmen. Seine These: Die Zukunft wird nicht Best Practice sein, da aufgrund der immer komplexeren Netzwerke die Rahmenbedingungen instabiler werden. Die Unternehmen werden künftig Veränderungsprozesse einleiten müssen - und das bedeutet: Next Practice.
 
Weiter theoretisiert der Autor über dynamische Systeme und deren Eigenschaften wie Stabilität und Komplexität und leitet dabei zu der Frage über: Warum wird das Management von Instabilität die Zukunft der Unternehmen sein? Gleichzeitig erläutert er, dass der erfolgreiche Umgang mit dynamischen Märkten die Fähigkeit erfordert, eine gezielte strategische Balance zwischen Stabilität und Instabilität herzustellen. Aus direkter Führung wird Leadership. Das bedeutet, dass aus einer gewachsenen eine aktiv zu gestaltende Unternehmenskultur wird, die eine selbst lernende Organisation ist. „Change" kann nicht verordnet werden, sondern muss zusammen mit den Mitarbeitern gelebt werden. Management von Instabilität unterscheidet sich von herkömmlichen Managementmethoden. Beispielsweise fordert Kruse dazu auf, Störungen im betrieblichen Ablauf als Impuls für Veränderungen zu sehen. Aktive Destabilisation sollte vorhandene Muster in den Prozessen aufbrechen und Wege für neue öffnen. Anhand einer Checkliste will der Autor Managern das Thema Leadership nahe bringen: Glaubwürdige Visionen, persönliche Überzeugung der Mitarbeiterinnen, Einbindung der gesamten Führungsmannschaft, aktives Aufbrechen von Regeln, Erhöhung der Vernetzungsdichte, Erschließung neuer Kanäle zur Mitarbeiterinformation - dies sind nur einige Punkte, die Kruse nennt.
 
Im zweiten Teil präsentiert der Autor die Ergebnisse seiner jahrelangen Forschungsarbeit im Bereich Systemtheorie: Management-Werkzeuge für Next Practice. Seine Moderationssoftware ermöglicht die rechnergestützte simultane Moderation großer Gruppen. Mit den Interview-Tools lassen sich Mitarbeiterinnenbefragungen, Marketingumfragen und Strategieentwicklungsprozesse theoriefrei unterstützen. Bei dieser Software entwickeln die Interviewten das konzeptionelle Gerüst der Interviews praktisch selbst mit. An mehreren Praxisbeispielen aus Kruses eigener Beratungspraxis erklärt er, wie sich Veränderungsprozesse softwaregestützt realisieren lassen. Sie bilden die Basis für die Change-Management-Methoden, welche im ersten Teil des Buches beschrieben sind.
 
„Erfolgreiches Management von Instabilität": ein Buch - eher geeignet für Manager, die sich mit Unterneh-mensorganisation und Change Management beschäftigen, weniger geeignet für das Personalmanagement.

 

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