
IdeenWerkstatt 2008
Deutschlands größtes Experiment zur Nutzung kollektiver Intelligenz
Mehr als 2700 junge Leute erarbeiteten über 7800 Ideen im Schnittfeld von Technik, Bildung und Politik/Besuch von Spitzenpolitikern
Der ThyssenKrupp-IdeenPark 2008
Vom 17. bis zum 25. Mai 2008 veranstaltete das Technologieunternehmen ThyssenKrupp zum dritten Mal den „IdeenPark“. Nach Gelsenkirchen im Jahre 2004 und Hannover 2006 war jetzt Stuttgart der Austragungsort. Als Teil der langfristig angelegten Initiative „Zukunft Technik entdecken“ besteht das zentrale Ziel dieser umfangreichen Technik-Erlebniswelt darin, junge Leute für naturwissenschaftliche und technische Fragestellungen und Berufe zu begeistern. Bereits 2006 war nextpractice Partner des IdeenParks und steuerte zwei Aktivitäten bei. Im Vorfeld führte es die qualitative Studie „Wertewelt Technik“ durch. Während des IdeenParks stellte nextpractice dann eine interaktive Ideenbörse, die „IdeenWerkstatt“, zur Verfügung. Auf der Grundlage eines nextmoderator-Netzwerkes konnten die Besucher des IdeenParks in der IdeenWerkstatt mehrmals täglich Vorschläge zu wichtigen Zukunftsthemen entwickeln. 2006 erwies sich die IdeenWerkstatt als „Deutschlands größter Zukunftsworkshop“. Auch 2008 bot die IdeenWerkstatt Schülern, jungen Erwachsenen und Familien neun Tage lang die Möglichkeit, im Schnittfeld von Technik, Bildung und Politik zu brainstormen. Parallel dazu führte nextpractice wiederum eine qualitative Studie durch, diesmal zum Thema „Jugend und Partizipation“.
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Das interaktive Kubikfoto³ des Bremer Technikmuseums Universum diente in den Workshops der IdeenWerkstatt als Arbeitsoberfläche. Es war direkt in die nextmoderator-Software integriert. |
Hintergrund und Ausgangsfragestellung
Schon seit Längerem zeichnet sich in der Bundesrepublik ein Mangel an Ingenieuren, Technikern und IT-Fachleuten ab. Zu wenig junge Leute interessieren sich für Technik und Naturwissenschaften. Angesichts eines sich intensivierenden globalen Wettbewerbs in der Wissensgesellschaft droht der demographische Wandel dieses Problem weiter zu verschärfen. Der IdeenPark zielt deshalb besonders darauf ab, in einer abwechslungsreichen Lernwelt mit vielen Experimenten Jung und Alt für Technik zu begeistern. Außerdem sollten Jugendliche mittels modernster Technologien aktiv in die Gestaltung ihrer Zukunft einbezogen werden.
In diesem Kontext stach ein Widerspruch ins Auge. Auf der einen Seite eilen die Wahlbeteiligungen von Rekordtief zu Rekordtief. Insbesondere junge Menschen finden überdurchschnittlich selten den Weg an die Urne. Andererseits stoßen innovative Partizipationsformen wie die IdeenWerkstatt auf spontane und hohe Akzeptanz. Vor diesem Hintergrund will die Studie „Jugend und politische Partizipation“ einen ersten erhellenden Verständnishorizont für die Frage liefern, warum etliche Jugendliche Abstand zu den etablierten Politikformen halten.
Studiendesign und Workshopgestaltung
Um die Einstellungen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen zum Thema Politik, Beteiligung und persönlichen Präferenzen zu ermitteln, interviewte nextpractice an vier Standorten, unter anderem in Stuttgart, über 120 Personen im Alter von 16 bis 25 Jahren mit dem Tool nextexpertizer. Auf dem Messegelände installierte nextpractice dann über neun Tage lang die IdeenWerkstatt. An 30 miteinander vernetzten Laptops konnten über 100 Personen jeweils 60 bis 90 Minuten lang Arbeitsschritte durchlaufen wie Bewertungsabfragen und Brainstormings zu den wichtigen Zukunftsthemen Technik, Bildung und Politik. Im ersten Brainstorming lieferten die Teilnehmer Ideen zur Frage, welche Veränderungen in Wirtschaft, Wissenschaft und Technologie nötig sind, um langfristig die Innovationskraft in Deutschland zu erhalten. Im zweiten Brainstorming erarbeiteten sie Vorschläge zur Verbesserung des Bildungssystems. Im dritten Brainstorming schließlich stand die Frage im Vordergrund, in was für einer Art von Gesellschaft die jungen Leute leben wollten und welche drängenden Herausforderungen die Politik angehen sollte.
Teilnahme und bisherige Ergebnisse
Die Studie „Wertewelt Technik“ aus dem Jahre 2006 hatte ThyssenKrupp bereits wertvolle Hinweise geliefert. nextpractice konnte zeigen, dass der Beruf des Ingenieurs in einem Imagedilemma steckt. Zwar gilt er als praxisnah und umsetzungsstark, wird aber kaum mit sozialen und ökologischen Aspekten assoziiert. Die aktuelle Befragung „Jugend und politische Partizipation“ befindet sich zurzeit in der Auswertungsphase.
Die IdeenWerkstatt, so zeigte sich, war ein voller Erfolg. Bereits 2006 hatten rund 2000 zumeist junge Leute in 23 Workshops über 6000 Ideen zur Zukunft Deutschlands entwickelt. In Stuttgart wurde dieser Rekord noch einmal übertroffen. Am Ende der neun Tage haben über 2700 Menschen den Weg in die 29 Workshops gefunden und sich zu einer kollektiven Intelligenz verbunden. Gemeinsam entwickelten sie letztendlich über 7800 Ideen. Die Beiträge werden im Moment zu Schwerpunkten zusammengefasst, mit den Ergebnissen von 2006 in Beziehung gesetzt und analysiert.
Bundesbildungsministerin und Vizekanzler besuchen IdeenWerkstatt
Auf dem IdeenPark 2008 war die IdeenWerkstatt unmittelbar in der auf Bildung und aktives Mitmachen spezialisierten Halle 3 angesiedelt. Dort entpuppte sie sich sowohl als optischer Ankerpunkt wie auch als das „soziale Gehirn“ des IdeenParks. Keine Frage, dass die IdeenWerkstatt nicht nur Publikumsmagnet war, sondern auch Aufmerksamkeit von politischer Seite erfuhr. So ließen es sich weder Bundesbildungsministerin Dr. Annette Schavan noch Vizekanzler und Bundesaußenminister Dr. Frank-Walter Steinmeier bei ihren Besuchen auf dem IdeenPark nehmen, sich vor Ort in der IdeenWerkstatt zu informieren. Begleitet wurden sie jeweils von Gastgeber Prof. Ekkehard Schulz, dem Vorstandsvorsitzenden von ThyssenKrupp. Die IdeenWerkstatt war auf beide Besuche gut vorbereitet. So hatten die Teilnehmer in einem besonderen Arbeitsschritt Fragen entwickelt, die die beiden Politiker und Prof. Schulz jeweils gemeinsam mit jugendlichen Teilnehmern aus der IdeenWerkstatt auf der anschließenden Podiumsdiskussion erörterten.
Politischer Impact, differenzierte Analyse und Beteiligung als Perspektive
6000 Ideen in Hannover, 7800 in Stuttgart – die IdeenWerkstatt ist Deutschlands größtes Experiment zu Nutzung kollektiver Intelligenz. In Stuttgart bewies die IdeenWerkstatt ihre Fähigkeit, Eingang in den politischen Diskurs zu finden. Noch vor jeglicher Detailanalyse ist für ThyssenKrupp klar: „Kein einzelner Mensch wäre in der Lage gewesen, eine derart differenzierte Analyse der Sektoren Technik, Bildung und Politik zu liefern, wie die Teilnehmer das in der Summe ihrer Ideen getan haben, und zugleich die Richtung für die Lösung von Problemen zu definieren.“ In der Broschüre „Zukunft Technik entwickeln“ heißt es weiter: „Die Botschaft, die darin – noch vor allen Inhalten – steckt, lautet: In der Beteiligung von vielen Menschen, egal ob als Bürger eines Staatswesens, als Mitarbeiter eines Unternehmens, als Schüler oder als Konsumenten, liegt der Schlüssel für die Lösung der vor uns liegenden Aufgaben. Es gilt, die Intelligenz vieler zu verbinden.“
Die Studie „Jugend und Partizipation“ wird zur Zeit ausgewertet.
Über die IdeenWerkstatt 2008
Zusammengefasste Ergebnisse
Bericht in den Stuttgarter Nachrichten
Über die IdeenWerkstatt 2006
Zusammenfassung der Ergebnisse von 2006 in der ThyssenKrupp-Broschüre „Zukunft Technik entdecken“
Beilage in der ZEIT
Beilage in der Wirtschaftswoche
Ergebnisse der Studie Wertewelt Technik
