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Alle reden über die Krise. Es gibt Wirtschaftsexperten darin Chancen erkennen. Sie hoffen auf Oba ‚ ücklgesmnungéuf Werte und eine neue Führungs- und Innovationskultur. die Voraussagen sind vage, nur die Richtung scheint klar: Es geht abwärts. Mit der Stimmung und mit der Wirtschaft. In Schwalbach im Taunus lässt man sich davon nicht beeindrucken, hier glaubt man an die Kraft des positiven Denkens. ,,We can, we do, we grow“, steht an verschiedenen Stellen zu lesen, sobald man die Deutschland-Zentrale des Konsumgüter-Riesen Proc-tcr&Gamb1e betritt. Das klingt wie „jetzt erst recht“ oder wie Obamas ,,Yes, we can.“ Der Motivationsspruch wird durchaus ernst genommen, heißt es in Schwalbach: ,,Wenn Mitarbeiter intern allzu miesepetrig auftreten, sagen wir ihnen: Du kannst, also mach, damit du wächst.“ Proctor&Gamble appelliert an den Optimismus, an Freude und Tatkraft. Ist das ein Weg, um das von allen Prognostikern vorausgesagte Unheil ein wenig heilvoller zu gestalten? Es ist zumindest ein Schritt in die richtige Richtung, meint Norbert Dube, Mitglied der Geschäftsleitung beim Hamburger Werbe- und Marktforschungsinstitut Research International. ,,Abwarten und Verharren ist die falsche Reaktion, das treibt nur weiter nach unten. Wir brauchen die, die sich dagegen stellen.“ Dube ist einer der Fachleute aus Marktforschung, Wirtschaft und Wissenschaft, die für die LZ nach möglichen Wegen aus der für das Jahr 2009 einhellig vorausgesagten Abwartsspirale suchen, Das fällt keinem leicht, die Gesprächspartner lassen erkennen, dass sie noch dabei sind, das Geschehene zu verdauen und einzuordnen. ,,Wenn das dazu führt, dass die Menschen wieder genauer hinsehen und selbst nachdenken, ist es ein gutes Ergebnis“, sagt Professor Peter Koslowski, der an der Freien Universität Amsterdam Philosophie lehrt, Denn richtiges Nachdenken könne zu mehr Klugheit führen. Und das philosophische Konzept der Klugheit sei das, was der Mensch als Individuum und die Wirtschaft als kollektive Veranstaltung brauchten, um jetzt richtige, also kluge Entscheidungen zu treffen, Darauf kommt es an in der Krise — ein Wort das aus vom griechischen ,,crimane“ abgeleitet ist, und ,,auswählen“, ,,beurteilen“, ,,entscheiden“, aber auch ,,sich messen“, „streiten“, ,,kämpfen“ bedeutet. Die Krise ist demnach bereits im Wortstamm als Chance angelegt. Auch die Befragten sehen die momentane Lage als Chance — sie hoffen auf ein großes Reinemachen in fünf Bereichen: Wirtschaft und Staat, Werte, Innovation, Führung und Vertrauen. Wirtschaft und Staat „Ich muss mich korrigieren“, sagt Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank. ,,Ich habe 40 Jahre lang den Kcyncsianismus abgelehnt. Jetzt muss ich sagen, der Staat muss auf möglichst breiter Basis finanzielle Hilfestellung gebetet.“ Walter steht stellvertretend für einen offenbar recht umfassenden Reflexionsprozess über die Rollenverteilung von Staat und Wirtschaft. Das erste Zwischenergebnis: Vater Staat erlebt ein Comeback. Selbst in den traditionell staatskritischen USA erhebt sich kaum noch öffentlicher Widerspruch, wenn Etatisten wie der an der Universität Maryland lchrendc Politikwissenschaftler Benjamin Barber selbstbewusst proklamieren; ,,Die wichtigsten Dinge für eine freie Gesellschaft sind öffentliche Entscheidungen — und die kann der Markt nicht ersetzen.“ Unter der populistischen Oberfläche der mehr oder weniger eilig geschnürten Notpakete kündigt sich eine Grundsatzdebatte an. Zurzeit ist der Staat jedoch erst einmal als Bademeister gefragt, der den kraftlos gewordenen Schwimmem Rettungsringe zuwerfen soll, Deutsch—Banker Walter hält die Wiedereinfiihrung der degressiven Ahschreihung fiir Unternehmen für eine besonders tragfähige Sclrwiiiimliilfe. Aucli müsse die Mehrwertsteuer rasch und zeitweise um drei Prozent gesenkt werden. ,,Im Jahr 2.009 brauchen wir Anreize, um den Konsum zu erhöhen“, fordert er. Berlin sollte möglichst breite Konjunkturhilfe leisten.“ Die Gesellschaft für Konsumforschung (GFK) scheint das zu bestätigen: Denn nach Ansicht der Forscher ist der Konsum bislang auch deshalb „Der Staat muss Finanzielle Hilfestellung Geben“ nicht eingebrochen, weil das Volk in Erwartung der Rückkehr der Pendlerpauschale und sinkender Benzinpreise gefühlt oder tatsächlich wieder mehr Geld in der Tasche hat, Das Weihnachtsgeschäft jedenfalls lief so prächtig, dass Renate Köcher, die Chefin des Instituts für Demoskopie in Allensbach, die Deutschen für ihre Konsumlaune und ihre Gelassenheit lobte. Von Krise keine Spur? Vorsicht, mahnt Commerzbank-Analyst Jürgen Elfeis; ,,Der Einzelhandel ist ein Spätzykliker und deshalb hat sich die wirtschaftliche Krise auch noch nicht im Weihnachtsgeschäft ausgewirkt.“ Für die Jahre 1009 und 1010 rechnet er wie viele andere Experten mit erheblichen Einbeiziehen, die Arbeitslosenquote werde bis 2010 auf bis zu zehn Prozent steigen. Um diesem Sog zu entgehen, bedürfe es eines ,,ganzen Füllhorns zeitlich versetzter staatlicher Entscheidungen, um den Konsum zu stützen“, meint Professor Dr. Klaus Wübbenhorst, Chef der GFK. Er nennt Beispiele: ,,Weg mit dem Soli, und der kalten Progression, Investitionen in Infrastruktur, Bildung, Forschung, sowie weitere Reformen, damit endlich beim Bürger mehr Netto vom Brutto übrig bleibt.“ Der Staat solle cher „,l