Beispiel aus der limbischen Praxis:
Etiketten als Zünglein an der Waage
von Peter Kruse und Friedrich Tschoggl
Die Bedeutung von Flaschenetiketten für den Kunden wird offenkundig bislang unterschätzt. In einer Medienwelt des >>immer großem und >>immer lauter« gewinnt die Werbebotschaft, die den Kunden direkt am Point of Sale und am Point of Uze erreicht, nachweislich an Bedeutung. Das Etikett wird zur emotionalen Visitenkarte einer Marke. Anlässlich der letztjährigen Etikettenkonferenz von Brigl & Bergmeister wurde die im folgenden beschriebene Studie vorgestellt.
In der alltäglichen Überforderung
u wachsender Angebotsmengen, abnehmender Differenzierung und
kaum mehr zu verarbeitender lnformationsvielfalt entscheide: der Kunde immer häufiger auf der Basis intuitiver Kriterien. Diese
Erkenntnis war der Anstoß zu einer Untersuchung zur psychologischen VC’ir]nextexpertizer verwendet, das es erlaubt,
auch unbewusste Präferenzen von Menschen zu erfassen und zu vergleichen,
Prof. Dr. Peter Kruse (links) ist geschäftsführender Gesellschafter der nextpractice,
Friedrich Tschoggl ist Marketing Manager
bei Brigl & Bergmeister
Die Befragung:
beschreiben statt beantworten
Wenn es darum geht. die im limbischen
System des Gehirns gespeicherten Bewertungskriterien
zu ermitteln, geraten klassische Fragebogen an ihre Leistungsgrenzen,
Sie erreichen lediglich die rationalen An-
teile. Qualitative Interviews sind ein guter
Ausweg, erweisen sich allerdings in der
Auswertung als wenig komfortabel, Das
angewandte Verfahren dagegen verbindet
die Freiheit eines qualitativen Interviews
mit den Auswertungsmöglichkeiten eines
standardisierten Fragebogens. Auf Basis
des psychologisch robusten Prinzips des
assoziativen Paarvergleich lassen sich die
handlungsleitenden Motive der Interviewpartner vorgabefrei erheben.
Computergestutzt können sich die Befragten in
Einzelinterviews mit eigenen Worten zum
Gegenstand der Untersuchung äußern und
auf Basis ihrer eigenen Dimensionen bewerten, Eigens entwickelte Algorithmen
crmcglichen eine mathematische Vergleichbarkeit der Einzelinterviews sowie eine
schnelle und übersichtliche Darstellung
eines Gesamntbedeutungsraums, der vielfältige Analysen zulässt.
Welche Rolle spielt das Material?
In der Studie wurde den befragten Konsumenten eine große Menge im Handel befindlichen Flaschen zur Verfügung gestellt.
Die Materialien und die Getränkemarken
wurden so ausbalanciert, dass die gemessenen Reaktionen eindeutig auf Unterschiede
in Gestaltung und Material der Etiketten
bezogen werden konnten. Dabei zeigte sich.
dass die emotionale Wirkung. die von Flaschenetiketten ausgeht, außergewöhnlich
hoch ist. Im Vergleich zu anderen Konsum
erreichen reagieren Kunden aufflestaltung
und Material von Flaschenetiketten enorm
sensibel und mit einem breiten Spektrum
von Gefühlen, Unabhängig vom Material
der Flasche gaben die Konsumenten Papieretiketten den Vorzug vor Kunststoffetikettcn, zum Beispiel aus ökologischer oder
haptischer Sicht. Kunststoffetiketten wurden dagegen als moderner, trendiger und
jugendlicher eingestuft, Mit de111 Papier-
clikcu verbanden die Befragten Qualitat,
Festlichkeit und Belohnung, Bier, Wasser
und Fruchtsäfte sind in der Erwartungshaltung geradezu auf Papieretiketten abonniert.
Das Design zeigt Wirkung
Bei aller Vorliebe für Papier und Natürlichkeit verzeiht der Konsument allerdings
nicht, wenn die Gestaltung des Etiketts
hinter den Möglichkeiten zurück bleibt,
Unabhängig ob Papier oder Kunststoff. ein
Anbieter, der das Flaschenetiketten als Visitenkarte seiner Marke vernachlässigt, läuft
Gefahr, deutliche Minuspunkte einzufahren, Wenn sich das Papieretikett zum Beispiel allein auf die konventionelle Quadrat-
form reduziert, ist eine große Chance zur
Profilierung der eigenen Marke vertan. Ein
besonders wichtiger Begeisterungsfaktor
bei der Gestaltung eines Etiketts ist dabei
neben der harmonischen Farbgebung und
der Klarheit des Ausdrucks offenkundig die
Form. Alle Konsumenten der Studie haben
intuitiv die Melrrteiligkeit und die ungewöhnliche Formgebung von Etiketten als besonders positives Unterscheidungskriterium hervorgehoben.
Fragebögen erreichen
primär die bewussten
Anteile und sind in
ihren Ergebnissen /
hervorragend vergleichbar.
Qualitative Interviews „
bilden auch intuitive und
emotionale Aspekte ab und
sind nur sehr eingeschränkt
miteinander vergleichbar.“