

wirtschaft & weiterbildung 06/Juni 2004 | |
Sieben Bausteine auf dem Weg zur Netzwerkintelligenz | |
| |
Management von Stabilität ist vergleichbar mit dem Segeln an einer bekannten Küste, an der Karten die exakte Bestimmung von Position, Weg und Ziel erlauben. Management von Instabilität entspricht der Situation des Aufbruchs zu neuen Kontinenten, bei dem niemand den Weg kennt oder die Risiken abschätzen kann. Folgende Erkenntnisse helfen, laut Peter Kruse, Honorarprofessor für Organisationspsychologie an der Universität Bremen, auf dem Weg zu neuen Ufern: | |
Checkliste: Erfolge durch Veränderung |
Zusammenfassung. Folgende Fragen können Change Agents dazu dienen, sich optimal auf einen anstehenden Veränderungsprozess vorzubereiten: |
- Reicht für die anstehenden Veränderungen die Optimierung bestehender Funktionalitäten aus (Best practice) oder ist tatsächlich ein kreativer Sprung im Sinne eines Prozessmusterwechsels erforderlich (Next practice)? |
- Haben Sie eine Vision, die hinreichend faszinierend und glaubwürdig ist, um die für einen Prozessmusterwechsel notwendige Phase der Instabilität zu bestehen? |
- Können Sie auch ohne weitere Vorbereitungen einem Mitarbeiter persönlich überzeugend erklären, warum sich das Unternehmen gerade zum jetzigen Zeitpunkt verändern soll? |
- Was können Sie tun, um sicherzustellen, dass Ihre Führungsmannschaft geschlossen hinter dem geplanten Veränderungsprozess steht und bereit ist, größere Risiken dafür einzugehen? |
- Welche Konsequenzen sind vorgesehen, wenn Führungskräfte durch ihr Verhalten während des Veränderungsprozesses zeigen, dass sie die gemeinsam abgestimmte Vision nicht teilen? |
- Ist allen Beteiligten klar, dass die Veränderung nicht sofort Erfolge zeitigen wird, sondern erst einmal ein Einbruch in der Leistungsfähigkeit des Unternehmens zu erwarten ist? |
- Ist im Unternehmen eine hinreichende Fehlertoleranz vorhanden, um neue Ideen auszutesten und nicht gleich beim ersten Misserfolg enttäuscht zu den alten Mustern zurückzukehren? |
- Ist garantiert, dass einmal getroffene Entscheidungen nicht nachträglich informell unterlaufen werden können und die Umsetzung der Entscheidungen konsequent verfolgt wird? |
- Sind die Regeln Ihrer Unternehmenskultur hinreichend transparent, um gegebenenfalls über gezielte Regelbrüche intervenieren oder unterstützend neue Regeln vereinbaren zu können? |
- Wie weit ist die Netzwerkbildung im Unternehmen bereits entwickelt, und mit welchen orga- nisatorischen Maßnahmen können Sie die Vernetzungsdichte noch weiter erhöhen? |
- Haben Sie hinreichendes Potenzial von Avantgardisten, die geeignet sind, sich auf Zukunfts- szenarien einzulassen, und die mit spielerischer Kreativität dem Neuen Gestalt geben können? |
- Haben Sie bereits Methoden installiert und in der Praxis erprobt, die es Ihnen erlauben, den Veränderungsprozess bezogen auf Hard Facts und Sott Facts sichtbar zu machen? |
- Über welche Medien und Informationskanäle können Sie während des Veränderungsprozesses die schnelle Information aller beteiligten Mitarbeiter und Führungskräfte sicherstellen? |
- Sind die Entscheidungsträger im Unternehmen ihrer kommunikativen Verantwortung bewusst und hinsichtlich ihrer persönlichen sprachlichen Kompetenz hinreichend vorbereitet? |
- Berücksichtigt die strategische Planung des Veränderungsprozesses eine angemessene Balance zwischen Stabilität und Instabilität, um Panik und Burn-out zu vermeiden? |
- Ist gewährleistet, dass im Unternehmen während des ganzen Veränderungsprozesses ein lebendiger Diskurs über die in der gemeinsamen Arbeit angestrebten Werte stattfindet? |
Quelle: Peter Kruse, Next practices - erfolgreiches Management von Instabilität, Gabal Verlag, Offenbach 2004, 220 Seiten, 25,90 Euro |
Buchtipp | |
Professor Dr. Peter Kruse hat seine praxis-nahe Systemtheorie in einem Buch zusam-mengefasst, das er Menschen mit "hem-mungsloser Neugier" widmete. Peter Kruse: Next practice - erfolgreiches Management von Instabilität, Gabal Verlag, Offenbach 2004, 220 Seiten, 25,90 Euro | |
Interview: Inhouse-Consulting gestalten" | |
Selbstorganisation. Der Psychologe und Netzwerkexperte Professor Dr. Peter Kruse, Bremen, beschreibt in einem Interview für »wirtschaft & weiterbildung« wie die naturwissenschaftlichen Konzepte der Selbstorganisation für betriebliche Veränderungsprozesse genutzt werden können. | |
Je höher die Vernetzungsdichte in einem System, desto mehr wirken alle Prozesse aufeinander. Durch die Vielzahl der Wirkungen und Rückwirkungen nimmt die Stabilität ab. Langfristige Vorhersagen sind kaum mehr möglich. Wie schon der Kybernetiker Ashby in den 50er Jahren postulierte, ist erfolgreiches Handeln in einem komplexen und dynamischen Umfeld gebunden an Lösungssysteme, die mindestens die gleiche Dynamik und Komplexität besitzen wie die Aufgabenstellung. Kurz gesagt: Die Vernetzung der Märkte ist unser Problem und die Bildung intelligenter Netzwerke im Unternehmen ist die einzig konsequente Antwort. | |
