Angesichts der wachsenden technischen und wirtschaftlichen Vernetzung nehmen die Komplexität und Dynamik des gesamten Lebens rasant zu – und damit die Notwendigkeit, Beharrungstendenzen aufzugeben und sich auf grundlegende Veränderungen einzulassen. Doch bevor einen die äußeren Umstände zum Handeln zwingen, sollte man nach Ansicht des Psychologen und Beraters Peter Kruse die Veränderungen besser selbst vorausahnen oder vielmehr gar kreieren. Laut Kruse heißt heißt das Motto der Zukunft nicht mehr "best practice", also Optimierung bewährter Abläufe, sondern "next practice": kontrollierter Prozessmusterwechsel und Anpassung an neue Erfordernisse. Die Theorie dynamischer Systeme, die insbesondere als Selbstorganisation- und Chaostheorie bekannt geworden ist, dient Kruse als Verständnisrahmen und Gestaltungskonzept für Veränderungsprozesse in Organisationen. Sein Ziel ist der Aufbau einer zukunftsfähigen Organisation, die in der Lage ist, auf die wachsende Komplexität und Dynamik in einer vernetzten Außenwelt mit einer Kultur zu antworten, in der eine Vernetzung der internationalen Strukturen jederzeit selbstverständlich möglich ist. Von entscheidender Bedeutung ist dabei Fähigkeit des Managements, eine angemessene Balance zwischen Stabilität und Instabilität sowie zwischen dezentraler Autonomie und zentraler Vorgabe zu gewährleisten. Das bewusste Erzeugen von Instabilität erhält nach Ansicht Kruses die Innovationskraft in Unternehmen und hilft, krisenhafte Entwicklungen zu vermeiden. Mit fünf Leitfragen zu Marktumfeld, Arbeitsorganisation, Unternehmensstruktur, Produktstrategie und Führungswechsel liefert der Autor eine realitätsbezogene Grundlage für eine erste Situationsanalyse. Wie der Wandel von "best practice" zu "next practice" erfolgreich vollzogen werden kann, wird an einem Unternehmensbeispiel veranschaulicht. Ein abschließender Fragenkatalog verbindet die (aus der Perspektive der Selbstorganisationstheorie) zusammengetragenen Erfolgsprinzipien einer Kultur des Wandels noch einmal im Sinne eines kurzen "Change-Process-Check-Ups". Dann anschließend werden die Einsatzmöglichkeiten eines computergestützten Interviewverfahrens und eine Online-Moderationssoftware vorgestellt. Der Autor unterstreicht, dass nicht fertige Konzepte zum Erfolg führen, sondern die ehrliche Bereitschaft, sich gemeinsam auf eine "Reise ins Unbekannte" einzulassen. Innovationskraft könne nicht in Zielvereinbarungen verankert werden, so Kruse. Vielmehr brauchen es dazu Eigenverantwortung, Fehlertoleranz und ausreichend Spielräume. |